Jacques Villeglé

Jacques Villeglé (1926–2022) war ein bedeutender französischer Künstler, der als zentrale Figur des Neuen Realismus und des Ultraletterismus gilt. Sein künstlerischer Weg begann während seines Malerei- und Architekturstudiums in Rennes, wo er zunächst Skulpturen aus am Atlantik gesammelten Fundstücken wie Stahl und Draht schuf. Da er mit der akademischen Ausbildung unzufrieden war, folgte er 1949 seinem Studienfreund Raymond Hains nach Paris. Gemeinsam entwickelten sie die Technik des Plakatabrisses, die als „affiches lacérées“ bekannt wurde und Villeglés Werk über Jahrzehnte prägte. Ihr erstes gemeinsames Werk „Ach Alma Manetro“ markierte den Aufbruch in eine neue Ästhetik der Aneignung.

Villeglé suchte seine Inspiration direkt in der urbanen Umgebung. Er löste dicke Plakatschichten von den Wänden der Städte und bearbeitete diese weiter, indem er die oben liegenden Blätter abriss, um fragmentarische Motive und schemenhafte Schriftzüge darunter zum Vorschein zu bringen. Er bezeichnete diese Kompositionen als „die Weltzeitung der Straße“, da sie für ihn die visuelle Sprache und den kulturellen Kontext der jeweiligen Gesellschaft einfingen. Dieser Prozess der Regulierung von Werbeflächen durch Passanten und Firmen, die Platz für neue Werbung schaffen wollten, wurde von ihm als künstlerische Ausdrucksform veredelt.

Heute wird Villeglé als wichtiger Vorläufer der Pop Art gewürdigt. Seine Werke, die den Alltag der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentieren, befinden sich in renommierten internationalen Sammlungen wie dem MoMA in New York und dem Centre Pompidou in Paris. Bis zu seinem Tod im Juni 2022 in Paris blieb er ein Verfechter der Idee, dass die Kunst im kollektiven Prozess der Straße verborgen liegt und durch die Interaktion der Öffentlichkeit mit ihrer Umgebung ständig neu entsteht.

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