Yayoi Kusama, geboren 1929 in der japanischen Präfektur Nagano, gilt als eine der einflussreichsten lebenden Künstlerinnen weltweit. Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr in den 1960er-Jahren in New York, wo sie sich der Pop-Art-Bewegung anschloss und durch ihre provokanten Happenings, wie Bodypainting-Festivals und Antikriegsdemonstrationen, zur Ikone der Avantgarde wurde. Ihr Markenzeichen, die obsessive Wiederholung von Punkten („Polka Dots“) und Netzen, entwickelte sie bereits im Alter von zehn Jahren als Reaktion auf visuelle Halluzinationen. Diese repetitive Arbeitsweise dient ihr bis heute als eine Art „Selbstauslöschung“ und kathartische Therapie.
Kusamas Werk ist von einer außergewöhnlichen Vielfalt geprägt: Es umfasst Malerei, Skulptur, Literatur, Film und Performance. In den späten 1950er-Jahren startete sie ihre berühmte Serie der „Infinity Net Paintings“ – prozessorientierte Gemälde, die durch feine Permutationen organischer Muster bestechen. Diese obsessiven Strukturen bildeten die Grundlage für ihre heute weltberühmten „Infinity Mirror Rooms“, in denen sie durch Spiegel und Licht raumgreifende, unendliche Universen erschafft. Neben der bildenden Kunst feierte sie Erfolge als Filmemacherin und Modedesignerin; 1969 eröffnete sie sogar eine eigene Boutique in den USA.
Nach ihrer Rückkehr nach Japan im Jahr 1973 weitete Kusama ihr Schaffen auf großformatige Skulpturen im öffentlichen Raum aus, die heute Städte wie Beverly Hills oder Lille schmücken. Ihre Arbeiten, die stets das Spannungsfeld zwischen mechanischer Serie und natürlicher Schöpfung ausloten, sind in den bedeutendsten Institutionen der Welt vertreten, darunter das MoMA in New York, die Tate Modern in London und das Centre Pompidou in Paris. Kusama bleibt eine unermüdliche Schöpferin, die das Publikum durch die hypnotische Kraft ihrer Muster in den Bann zieht.