Richard Hambleton (1952–2017) war ein kanadischer Künstler, der als einer der Gründerväter der Street-Art-Bewegung gilt und oft als „The Godfather of Street Art“ bezeichnet wird. Nach seinem Studium an der Emily Carr University in Vancouver zog er in den 1970er-Jahren nach New York, wo er schnell zu einem festen Bestandteil der legendären Club-57-Szene wurde. Dort verkehrte er mit Größen wie Keith Haring und Jean-Michel Basquiat. Trotz seiner engen Verbindung zur damaligen Kunstelite lehnte er es ab, von Andy Warhol porträtiert zu werden, da er sich primär als Konzeptkünstler verstand und sein Werk stets über seine eigene Person stellte.
Internationalen Ruhm erlangte Hambleton in den 1980er-Jahren durch seine provokanten urbanen Interventionen. Seine Karriere begann mit der makabren „Mass Murder“-Serie, bei der er täuschend echte Kreideumrisse von Mordopfern auf Gehwege zeichnete. Weltberühmt wurde er jedoch durch seine ikonische „Shadowman“-Reihe: lebensgroße, in spritzender schwarzer Farbe gestaltete Schattenwesen, die er in dunklen Gassen und Hinterhöfen Manhattans platzierte, um Passanten emotional zu berühren oder zu erschrecken. Diese düsteren Silhouetten brachten ihm Ausstellungen im MoMA und mehrfache Teilnahmen an der Biennale von Venedig ein.
Hambletons Einfluss reichte weit über die USA hinaus; er bemalte unter anderem beide Seiten der Berliner Mauer und inspirierte spätere Street-Art-Ikonen wie Banksy, Blek le Rat und JR nachhaltig. Sein Leben war jedoch auch von einer schweren Drogenabhängigkeit geprägt, die ihn zeitweise in Vergessenheit geraten ließ. Erst etwa zehn Jahre vor seinem Tod erlebte er eine beeindruckende künstlerische Renaissance. Er verstarb 2017 auf dem Höhepunkt dieser Wiederentdeckung und hinterlässt ein Werk, das die Grenze zwischen klassischer Malerei und radikaler Straßenkunst meisterhaft verwischt.